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Piriformis-Syndrom. Ischialgie? Oder doch nur ein Muskelproblem?

Piriformis-Syndrom

Das sogenannte Piriformis-Syndrom bezeichnet ein Engpaßsyndrom des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus) beim Austritt zwischen Beckenknochen (Foramen infrapirifome) und Piriformis Muskel (Musculus piriformis).

Das Phämomen gilt in der Neurologie als kontroverses Thema und wurde 1947 von D.R. Robinson eingeführt. Oftmals wird das Piriformis-Syndrom mit einer Bandscheibenproblematik verwechselt. Man vermutet, dass Frauen 6-mal häufiger als Männer betroffen sind.

Piriformis-Syndrom

Musculus piriformis

Der Pirifomis Muskel (lat. piriformis = birnenförmig) ist ein flacher, birnenförmiger Skelettmuskel, der zur tiefen Hüftmuskulatur gehört. Der Ursprung des Muskels liegt am Os Sacrum (Kreuzbein), der Ansatz verläuft durch das Formalen Ischiadicus majus (großes Sitzbeinloch), das er unterteilt und dann zum Trochanter major des Femur (Knochenvorsprung am Oberschenkelkopf) zieht. Oftmals verbindet sich die Ansatzsehne des Piriformis mit den Sehnen folgender Muskeln: Musculus gemellus superior und inferior und Musculus obturator internus. Der Piriformis Muskel wird durch direkte Äste des Plexus sacalis (Nervengeflecht aus den Wirbelsäulensegmenten L5 – S3), der aus den Segmenten der Lendenwirbelsäule L5 bzw. Sacrum S2 entspringt sowie dem Nervus ischiadicus selbst.

Funktion des M. piriformis:

Die Aufgabe des Piriformis Muskels ist die Außenrotation (Drehung nach aussen) im Hüftgelenk und die Unterstützung der Abduktion (seitliche Wegspreizung) des Oberschenkels. Er stabilisiert das Iliosacralgelenk (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk) und den Oberschenkelkopf in der Hüftgelenkspfanne (Acetabulum) und hilft bei der Extension (Streckbewegung eines Gelenks).
Wie entsteht das Piriformis-Syndrom?

Zu diesem Syndrom kommt es durch ein Zusammenwirken von zwei Muskulaturen: zum einen der bereits erwähnte M. Piriformis, zum anderen der M. gluteus maximus (lat. großer Gesäßmuskel).
Der M. gluteus maximus – unser Gesäßmuskel

Der Ursprung des Gesäßmuskels (M. gluteus maximus) hat oberflächliche und tiefe Anteile. Oberflächliche Anteile: Os Ilium (Darmbein), Lendenfaszie (Fascia thoracolumbalis), Os sacrum (Kreubein) und Os coccygis (Steißbein). Tiefe Anteile: Ala Os Ilium (Darmbeimschaufel), Ligamentum Sacrotuberale (Kreuzbein-Sitzbein-Band) und Aponeurosis glutaea (Gesäßsehnenplatte). Der Ansatz findet sich an der Tuberositas glutea (Gesäßmuskel Aufrauung) und Tractus Iliotibialis (Oberschenkel-Faszienstreifen).

Funktion des M. gluteus maximus

Die Aufgabe des M. gluteus maximus ist die Extension (Streckung eines Gelenks), Außenrotation (Drehung des Gelenks nach aussen) und Abduktion (Abspreizung/seitliche Wegführung des Gelenks) des Oberschenkels (Femur). Die Extension wirkt bei langen Schritten und Treppensteigen. Er bewirkt eine Stabilisierung des Knies und des Iliosacralgelenkes.

Da der M. gluteus maximus u.a. die Stabilität des Iliosacralgelenkes (ISG) stärkt, kann es bei einer Schwächung in diesem Bereich zu einer Instabilität im ISG kommen. Diese Schwäche wiederum führt zu einer hohen Spannung des M. piriformis, Hypertonus genannt. Des weiteren reagiert der Muskel bei Veränderungen/Verletzungen (Läsion) des 5. Lendenwirbels mit Spannungen.

Auswirkungen

Eine hohe Spannung im M. piriformis kann durch die anatomische Beziehung zu einer Reizung des N. ischiadicus (Ischiasnerv) im Bereich der Austrittsstelle am Foramen infrapiriforme (Beckenknochen) führen. Hier kann sich sehr schnell ein „circulus virtosus“ aufschaukeln, der Bandscheibenprobleme vortäuschen kann. Der Patient berichtet über Schmerzen im Bereich des Iliosacral-Gelenkes, des Oberschenkels (Trochanter major) sowie des Sitzbeins (Tuber ischiadicum des Os ischii) besonders bei längerem Sitzen und Bergaufgehen. Des weiteren wird das langsame Gehen (schlendern) als schwierig beschrieben.

Behandlung des Piriformis-Syndroms

Bei der Behandlung werden die oben beschriebenen Muskulaturen mit neurologischen, kinesiologischen Muskeltests geprüft und im Rahmen des Behandlungsprotokolls behandelt. Ziel ist vor hier vor allem die Dehnung und Verlängerung der verkürzten Muskulaturen, um dem Kompressionsphänomen entgegen zu wirken. Dem Patienten werden ebenfalls Übungen für zuhause mitgegeben, um die Muskulaturen langsam zu dehnen.

Hier eine anschauliche Darstellung der Selbstbehandlung für den M. Piriformis von Liebscher & Bracht, die ich sehr gerne empfehle:

Bitte immer sehr achtsam und nur in Absprache mit Ihrem Therapeuten arbeiten!

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Dann schreiben Sie mir diese doch gerne in die Kommentare!

Einen weiterführenden Artikle zum Thema finden Sie in der Apotheken Umschau.

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Bleiben Sie gesund!

Unterschrift

Quellen:
1. radsource.us – MRI Wec clinic – May 2010 – Piriformis Snydrom by Pamela H. Burdett, MD
2. flexikon.doccheck.com – Piriformis Syndrom
3. Das Muskeltestbuch – Urban & Fischer Verlag – Hans Garten – M. piriformus Seite 168 ff.
4. wikipedia.org – Musculus gluteus maximus
5. Das Muskeltestbuch – Hans Garten – M. gluteus maximus Seite 98 ff.
6. Lehrbuch Applies Kinesiology – Hans Garten – Urban & Fischer Verlag- M. piriformis S. 464 ff.
7. Apotheken Umschau

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